Böhmischer Granat

Böhmischer Granat - Geschichte

BÖHMISCHER GRANAT – ist ein transparentes bis durchsichtiges Mineral mit einer schönen feuerroten Farbe und gehört zur Gruppe der Pyrope. Aufgrund seiner Farbe ist dieses Mineral auf der ganzen Welt beliebt. Der Böhmische Granat ist ein Edelstein von kleiner Größe ( von 0,2 bis 0,8 cm), in feuerroter, bis blutroter Farbe, die sich aus der Beimischung von Chrom ergibt. Sein Name stammt vom griechischen Pyropos, Pyr = Feuer, Ops = Auge, oder vom lateinischen Carbunculus = glühende Kohle, Granatus = körnig, englisch Bohemian Garnet, deutsch Böhmischer Granat, altböhmisch nach Klaret „Zrnakoč". Es hat die Härtestufe von 6,5 bis 7,5. Böhmischer Granat hat nach der Mohshärteskala einen Härtegrad von 7 bis 7,5 und ist außerordentlich farbbeständig und hitze- und säurebeständig.

In Flussaufschwemmungen wurde Böhmisches Pyrop nach dem Zufallsprinzip seit der Urzeit gesammelt. Die organisierte Sammlung der Granatsteine in Verbindung mit dem Export nach Europa hat ihre Wurzeln im frühen Mittelalter, in der Zeit der Völkerwanderung vom 6. bis 8. Jahrhundert. Im Mittelalter war der Böhmische Granat weniger beliebt. Es sind lediglich vereinzelte Juwelierrelikte aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten (Reliquiar der Prager Kathedrale). Erst ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts schmückten Granate häufiger liturgisches Silber, vor allem Kelche. Das Interesse kulminierte in der Zeit der Regierung des Kaisers Rudolf II (er regierte in den Jahren 1576 - 1610), der die Steinschleifer unterstützte und sein Vorkaufsrecht für Granate in besonderer Größe geltend machte. Im Jahre 1679 gab Bohuslav Balbín dem Mineral Pyrop den Begriff „Böhmischer Granat". Seit dieser Zeit wurde der in Böhmen gefundene Pyrop „Böhmischer Granat" genannt. Nach dem Jahre 1700 verbreitete sich der Böhmischer Granat allgemein im Juweliergewerbe. In zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts kam Schmuck mit kleinen Steinen in Mode, und so erließ die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1762 ein Exportverbot von Böhmischem Granat. Sie schützte so das inländische Förderungs- und Verarbeitungsmonopol des Böhmischen Granats. In der Zeit wurden Schleifereien in Podsedice, Dlažkovice, Světlá nad Sázavou, Třebenice, Horní Třebivlice und Skalka gegründet. Die Bewegung der Tschechischen nationalen Wiedergeburt setzte den Böhmischen Granat als mineralogisches Symbol von Böhmen durch. Der Granat wurde zum Attribut böhmischer Patrioten (Porträts der Ehefrau von Václav Hanka, der Tochter von František Palacký, Božena Němcová, usw.).

Als Hilfsmittel zur zeitlichen Einordnung des Granatschmucks des 2. bis 3. Drittels des 19. Jahrhunderts dienen zwei Juweliertechniken der Granatbesetzung: die Korn- und die Niettechnik. Die tschechischen Granathersteller stellten im 19. Jahrhundert erfolgreich auf Industrieausstellungen sowohl im Inland als auch im Ausland aus. Dank Erfolgen der Designer auf der Weltausstellung in Brüssel im Jahre 1958 ist der Granat in die gegenwärtige künstlerische Gestaltung zurückgekehrt.

In dieser neuzeitlichen Geschichte ist unsere Genossenschaft seit 1953 aktiv, seitdem beschäftigt sie sich mit der Verarbeitung des Böhmischen Granats. Granatschmuck aus unserer Herstellung hat einen ganz spezifischen Charakter, und zwar durch den Einfluss der Größe der gefundenen Steine. Deren Größe beträgt lediglich zwei bis sechs Millimeter, ihre Schönheit, die funkelnde rote Farbe und das Glänzen wirken jedoch erst durch große Steinflächen. Deshalb ist Schmuck mit Böhmischem Granat dicht mit Steinen bestückt, und das Metall bildet die tragende Konstruktion des Schmuckes. In die Mitte des Schmuckes werden Steine der größeren Abmessungen platziert, sie gehören auch zur Gruppe der Granate, jedoch nicht zu den Pyropen, sondern zu den Almadinen. Heutzutage ist auch eine Kombination des Böhmischen Granats mit einem anderen tschechischen Stein, Moldavit genannt, beliebt. Die aktuelle Kollektion stellt eine unerschöpfliche Menge klassischer Modelle dar, die in letzter Zeit um Schmuck modernen Designs ergänzt wurde, um auch eine jüngere Kundenschicht anzusprechen. Dieser Trend wird in letzter Zeit auch durch die Schmuck-Symposien in Turnov unterstützt, an deren Organisation sich unsere Genossenschaft beteiligt.